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Mittwoch, 15. Oktober 2014

Repräsentation der kaiserzeitlichen Elite Lykiens





Die lykischen Bundespriester:
Repräsentation der kaiserzeitlichen Elite Lykiens

Gebundene Ausgabe von Denise Reitzenstein (Autor)


Auf der lykischen Halbinsel im Südwesten der heutigen Türkei präsidierte in der Zeit des 1. bis 3. Jahrhunderts n. Chr. jährlich ein Bundespriester des Kaiserkultes, der Archiereus, dem lykischen Bund, einem festen Zusammenschluss lykischer Städte.
Er war auch der wichtigste Ansprechpartner der römischen Statthalter und kaiserlichen Procuratoren in der Provinz. Nach seiner Amtszeit blieb das hohe Ansehen des Bundespriesters bestehen. Die ehemaligen Archiereis, ihre Familien, Heimatstädte und andere lykische Gemeinden machten das gewonnene Prestige für repräsentative Zwecke nutzbar. Diesem Umstand ist es auch zu verdanken, dass die meisten verfügbaren Informationen zu den Bundespriestern inschriftlich überliefert sind.

Bisherige Untersuchungen haben diese Wandlungsprozesse von der hellenistischen Zeit bis in das 3. Jahhrundert n. Chr. nicht berücksichtigt. Sie beschränken sich fast ausschließlich auf eine Analyse von Einzelfragen, etwa nach dem Verhältnis der kaiserzeitlichen Titel Archiereus und Lykiarch zueinander oder nach den Beziehungen einzelner Bundespriesterfamilien. Die vorliegende Studie geht daher diachron der inschriflichen Repräsentation des obersten Bundesamtes nach. Sie untersucht jedoch nicht nur seine historische Entwicklung, sondern setzt auch die Überlieferung in Beziehung zu den relevanten Akteuren der Kaiserzeit, d.h. Familie, Stadt, Statthalter und Kaiser.

Der systematische Teil wird ergänzt durch einen Abschnitt zu den unterschiedlichen Kompetenzen des amtierenden Bundespriesters, aber auch seines weiblichen Pendants, der Archiereia.
Darüber hinaus werden weitere Funktionen der Archiereis und ihre Bedeutung im Repräsentationsverhalten untersucht. Erstmals liegt damit ein systematischer Katalog der lykischen Bundespriester vor.

Die Ergebnisse der Arbeit liefern ein umfangreiches Bild der hellenistisch-kaiserzeitlichen Elite Lykiens, der gesellschaftlichen und politischen Eigenarten gegenüber anderen Regionen des römischen Reiches, aber auch der Integrationsfähigkeit der lykischen in die kaiserzeitliche Gesellschaft. Die Studie trägt damit zu einem besseren Verständnis der griechisch-römischen Sozialgeschichte bei.





Siehe auch:
http://naherosten-middleeast.blogspot.co.at/2014/10/arykanda.html


Arykanda


Die Ruinen der antiken Stadt Arykanda liegen ca. 35 km landeinwärts von der Küstenstadt Finike entfernt. Biegen Sie in Finike von der Küstenstraße D400, Richtung Elmalı, auf die Nationalstraße D635 ab. Die Straße ist seit 2006 / 2007 hervorragend ausgebaut. 

Am nördlichen Ende des Dorfes Arif, an einem kleinen Wasserfall,  führt rechts im spitzen Winkel die ca. 1,5 km lange Zufahrtsstraße zu den Bergterrassen der Ruinenstadt. Die Straße ist mit einem normalen PKW gut zu befahren.



Das Ruinenfeld ist eingebettet in die atemberaubende Bergwelt des Taurusgebirges. Die Stadt liegt auf kleinen Plateaus inmitten eines Steilhanges. Das Massiv des Şahinkaya schützt die Stadt von der Bergseite. Wegen dieser einzigartigen Lage war die Stadt bereits in der Antike berühmt. Auch heute, weit über 2000 Jahre später, lohnt die Besichtigung der Ruinen von Arykander schon allein wegen der herrlichen Aussicht.



























Die Stadt wurde vermutlich bereits im 6. Jh. v. Chr. gegründet. Münzfunde aus dem 5. Jh. v. Chr. belegen eine lange Stadtgeschichte, jedoch taucht der Name der Stadt erst in schriftlicher Form im 2. Jh. v. Chr. als Mitglied des Lykischen Bundes auf. Wie Limyra gehörte Arykanda ab 43 n. Chr. zur römischen Provinz Lycia et Pamphilia. Aus der römischen Epoche stammen auch die Meisten der heute noch erhaltenen Bauwerke. Es ist überliefert, dass die Arykander einen denkbar schlechten Ruf hatten. Sie galten als vergnügungs- und verschwendungssüchtig und waren in der Mehrzahl hoch verschuldet.
Das Christentum fand früh Anhänger in der Stadt, diese blieben aber auch vor der Christenverfolgung im 3. Jh. nicht verschont.  In byzantinischer Zeit wurde Arykanda Bischofssitz. Die Stadt blieb bis zum 11. Jahrhundert besiedelt. Warum die Stadt dann letztendlich aufgegeben wurde ist nicht überliefert.




Auf der höchsten ausgegrabenen Terrasse befindet sich das Stadion, das mit 170 m Länge deutlich kleinere Maße als die üblichen römischen Anlagen hat. Sitzplätze für die Zuschauer gibt es nur an der Bergseite des Stadions. Auf gleicher Höhe, etwa 300 m westlich des Stadions, liegen die Ruinen des Buleuterions, einer Stoa, mehrerer Geschäfte und einer Zisterne.
Unterhalb des Stadions sind die 20 Sitzreihen des gut erhaltenen Theaters im Mittelteil direkt in den Berg gehauen, und nur die Seitenflügel sind aufgebaut. Auf einer tieferen Ebene liegt das ursprünglich mit Marmor verkleidete Odeon und davor, etwas tiefer, die Agora. Auf der nächsttieferen Ebene liegt die Nekropole mit Grabstätten, die zum Teil im Stil von Tempeln errichtet sind. Das Gymnasion und die Thermen befinden sich unterhalb der Nekropole.










Samstag, 11. Oktober 2014

Der Damaszener Freund






Rafik Schami 
(* 
23. Juni 1946 in DamaskusRafīq Šāmī) ist ein syrisch-deutscher Schriftsteller und ein promovierter Chemiker. Das Pseudonym „Rafik Schami“ bedeutet Damaszener Freund oder „der aus Damaskus kommt“, der bürgerliche Name des Autors ist Suheil Fadél (‏Suhail Fāḍil).
1971 ging es nicht mehr. Rafik Schami, der damals noch Suheil Fadél hieß, hatte das Gefühl, in Syrien zu ersticken. 25 Jahre war er alt. Ein Chemiestudent, der Lehrer werden wollte, eigentlich aber Schriftsteller. Der eine Wandzeitung gegründet hatte, die später verboten wurde. Der Stücke zum Zensor trug und nicht hinnehmen wollte, dass dieser mit kalter Höflichkeit die Pointe bemängelte. Er floh nach Deutschland, und drei Jahre später wurde die latente Gefahr, die er gespürt hatte, konkret. Enge Freunde wurden verhaftet und kamen bis zu zehn Jahre ins Gefängnis. Um die Familie nicht in Gefahr zu bringen, gab er sich einen neuen Namen: Rafik Schami, Damaszener Freund. Damaskus hat er nie wiedergesehen.
In Melancholie versunken ist Rafik Schami deshalb trotzdem nicht. Manchmal, sagt er, spüre er Bitterkeit, aber keinen Hass, denn dem Hass begegnet er mit einem grundsätzlichen Misstrauen. Nein, er ist kein Trauernder, auch zum Märtyrer taugt er nicht. "Mir schmecken eine Schüssel Salat und ein Glas Wein hier in Deutschland besser als das Einheitsessen aus dem Eimer im syrischen Gefängnis", sagt er verschmitzt.
Die bestimmenden Themen von Schamis Werk sind das Leben der Migranten in Deutschland, die Darstellung der arabischen Welt damals, heute und in der Utopie, Politik und Gesellschaft sowie das Erzählen. Schami gilt als ein begnadeter Erzähler. Er trägt entsprechend der Erzähltradition seiner Heimatstadt Damaskus seine Geschichten am liebsten mündlich seinem Publikum vor. Ein wesentliches Merkmal von Schamis Stil ist seine Nähe zur oralen Tradition des arabischen Geschichtenerzählens, man kann sogar von einer Integration der arabischen und der deutschen Tradition von Erzählung sprechen.
Die meisten seiner Bücher sind Sammlungen von Geschichten, wobei die Erzählungen bewusste Anklänge an die arabischen Nächte (1001 Nacht) sind. Innerhalb einer rein narrativen Rahmenhandlung, also von Geschichtenerzählern wird eine Serie von ebenfalls mündlich vermittelten Geschichten entfaltet. Schon als Kind erzählte er seinen Freunden in den Straßen von Damaskus Geschichten und seine heutigen öffentlichen Auftritte sind weniger öffentliche Lesungen als freie Wiedererzählungen seiner Arbeiten.


Weiterführende Links :
http://www.rafik-schami.de/links.cfm






Übersetzungen 
Rafik Schamis Bücher sind bisher in 28 Sprachen erschienen: Arabisch, Baskisch, Bosnisch, Chinesisch, Dänisch, Deutsch, Englisch, Finnisch, Französisch, Griechisch, Hebräisch, Italienisch, Japanisch, Katalanisch, Koreanisch, Kroatisch, Niederländisch, Norwegisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Schwedisch, Serbisch, Slowenisch, Spanisch, Tschechisch, Türkisch und Urdu. 


Donnerstag, 2. Oktober 2014

Jakob Eduard Polack war Leibarzt des Schahs Naser al-Din Schâh Qajar





Dieser Herr hat nicht nur gerade ein kleines Tässchen Mokka zu sich genommen sondern gilt auch als Begründer der modernen Medizin im heutigen Iran: Jakob Eduard Polak (1818–1891) war ein österreichischer Arzt und Ethnograph, der in den 1850er Jahren in Teheran lebte.

Er bereiste die entlegendsten Winkel Persiens und wurde nach seiner Rückkehr nach Wien ein gefragter Fachmann für die Region. Wer eine seiner zahlreichen Schriften lesen möchte, wird natürlich bei uns fündig. Profunde Kenntnisse in Persisch sind für die Lektüre übrigens nicht von Nachteil:
http://data.onb.ac.at/ABO/%2BZ171305102

 



Jakob Eduard Polack war  ein  österreichischer Arzt und Ethnograph, der sich besonders um den Aufbau einer modernen Medizin in Persien sowie um die Beziehung zwischen Österreich-Ungarn und diesem Land verdient gemacht hat.
Polak gilt somit als Begründer der modernen Medizin im heutigen Iran. 1855 wurde er Leibarzt des Schahs Naser al-Din Schâh Qajar, den er auf seinen Reisen begleitete. Nebenbei betrieb er auch soziokulturelle und naturwissenschaftliche Forschungen – er „‚war ein auf Persien spezialisierter Humboldtist im höchsten Sinne‘, vor der Trennung zwischen Natur- und Geisteswissenschaften“
, so ein auf Polak spezialisierter Forscher.